Angebot für Schulen

In der Tradition der Kunstvereine möchte die Kunsthalle Lingen Kinder und Jugendliche bei der Annäherung an zeitgenössische Kunst begleiten. Wir bieten eine Kunstvermittlung, bei der sich die Schüler/Innen theoretisch und künstlerisch praktisch mit den präsentierten künstlerischen Positionen auseinandersetzen können.

Die Führung regt die Schüler/Innen mit Fragen und Informationen dazu an, sich eine subjektive Meinung zu den Arbeiten zu bilden. Durch die eigene künstlerische Praxis nehmen die Schüler/Innen die Werke in einer anderen Sichtweise wahr.

Es kann zwischen einer Führung oder eine Führung mit künstlerischer Aktion gewählt werden.

Eintritt Schüler o. Führung                   0,50 Euro

Kosten Führung 1 UST                        50,00 Euro

Incl. Aktion 1 UST                              + 2 Euro/Schüler    incl. Material

Zur Vorbereitung eines alleinigen Besuchs der Kunsthalle

mit Ihrer Klasse können Sie bei uns Material anfordern.

Tel: 0591 – 5 99 95

Wir danken für die großzügige Unterstützung:

Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

VGH Stiftung

Stadt Lingen (Ems)

Landkreis Emsland

Stiftung Heinrich Kampmann

Angela Fette – The Beauty of Capitalism 24. September – 13. November 2022

Angela Fette (geb. 1970 in Hamburg, lebt in Düsseldorf) arbeitet in den Medien Malerei, Performance und Installation. In Verbindung mit eigenen Manifesten bilden selbst verfasste Texte einen Schwerpunkt in ihrem Œuvre. Reminiszenzen an Formen- und Gedankengut historischer Avantgarden, wie dem Dada und dem Konstruktivismus, spiegeln sich immer wieder in ihren teilweise surreal und phantasievoll gestalteten Arbeiten.

Die Ausstellung mit dem Titel „The Beauty of Capitalism“ (Die Schönheit des Kapitalismus) verwebt Wandbilder mit Tafelbildern auf ebenso formale wie inhaltliche Art und Weise. Wandmalereien fungieren sowohl als ästhetisch gestalteter Hintergrund für Tafelbilder als auch bieten sie eine zusätzliche inhaltliche Ebene der Bedeutung. Charakteristisch für Angela Fettes enigmatische Bilder ist eine teils pastose, teils an ein Aquarell erinnernde Malweise. Diese sind aus mehreren transluzenten Schichten und Farbverläufen aufgebaut. Oft bilden phantasievoll gestaltete Wesen die Protagonist*innen in Tafelbildern, sie kennzeichnen die „Melancholie einer stillgelegten Maschine“. Sie sind brückenbauende, vermittelnde Instanzen zwischen Vergangenheit und Zukunft, indem sie „an unsere eigenen Zeitphänomene der Robotik, künstlichen Intelligenz und Biogenetik gekoppelt“ sind. Viele ihrer Bilder sind objektive Allegorien und Sinnbilder für die heutige Welt, wie die Künstlerin sie -als exemplarisch für die freie Kunst an sich- mit Abstand betrachtet und dafür Zeichen und poetische Bilder finden will. Dieses Anliegen spiegelt sich auch in den Titeln der Werke wider, wie zum Beispiel “ the beauty of capitalism”, der Titel der Ausstellung und eines Bildes mit der Harpiye, ein sinnierender Raubvogel mit Menschengesicht. Es geht um die Ambivalenz dieser weltumfassenden Ideologie des Kapitalismus, mit all ihren Verheißungen, Versprechen individueller Freiheit und verführerischer Schönheit, der viele Menschen am Ende nicht gewachsen sind und in den Abgrund gerissen werden.

Über eine Bildsprache, die teilweise an die 1920er und 1930er Jahre erinnert, stellt Angela Fette mit ihrer Arbeit die Frage, in welcher Form heute eine Avantgarde vorstellbar sein könnte, das heißt ob und wie eben “die große Erzählung”, deren Ende der Philosoph Jean-Francois Lyotard erklärt hatte und damit die Postmoderne eingeleitet hatte, doch noch möglich sei, nämlich in einer pluralistischen Welt, als persönliche Mythologie als eine große Erzählung unter vielen. In diesem Fall kann Kunst als Parallelwelt fungieren, mit möglichen Schnittstellen zur Realität.

Angela Fette absolvierte ihr Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, der Düsseldorfer Kunstakademie, der Parson´s School in New York und der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main. Sie präsentierte ihre Werke u.a. in Einzelausstellungen im Kunstverein Arnsberg, im Kunstverein in Freiburg und im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf. Sie hat national und international Anerkennung erfahren in Ausstellungen und Performances im Museum MARTa in Herford, im Ludwig Forum Aachen, im Museum für Moderne Kunst in Warschau, Herzliya Museum of Contemporary Art und Tel Aviv, Israel, Städtische Galerie Danzig, Polen und im MuhKa, Antwerpen.

EAW 16. Juli – 04. September 2022

Larissa Fassler, Harry Kramer, Ulrike Kuschel, Christian Odzuck und Stefan Odzuck, Alexander Rischer, Bastian Wiels, Alexander Wolff

Die Kunsthalle Lingen befindet sich in einem Teil der Halle IV des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks der Stadt Lingen (Ems), kurz EAW. Es besteht seit 1870 aus insgesamt drei großen Hallen und charakterisiert eine wechselvolle Geschichte.

1972 verließ die letzte Dampflok die Lingener Hallen und 1977 wurden alle Dampflokomotiven endgültig vom Schienennetz der Deutschen Bundesbahn entfernt; 1980 wurde der elektrische Schienenverkehr auf der Strecke Emden-Rheine aufgenommen. 1983 wurde auch die Güterwageninstandhaltung im Werk eingestellt und große Bereiche der Werkanlagen wurden als Lagerflächen vermietet, eine Sicherung und Wartung fand nicht mehr statt. Weite Teile des Gebäudes verfielen, Hallendächer wurden undicht. Am 30. April 1985 wurde die Zentralstelle für den Werkstättendienst aufgelöst, die beschäftigten Arbeiter verschwanden. Nach 1990 begann eine grundsätzliche Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude. Insgesamt charakterisiert diesen Industriezweig Lingens eine wechselvolle Geschichte, die auch den Aspekt Arbeit berührt sowie soziale und gesellschaftspolitische Momente.  

Die Gruppenausstellung mit dem Titel „EAW“ findet statt aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Kunsthalle Lingen, die 1997 in das Gebäude einzog. Ihr inhaltlicher Fokus liegt weniger auf einer Darstellung der umfangreichen Geschichte durch historische Dokumente und Relikte aus den Hallen. Vielmehr wurden zeitgenössische Künstler*innen darum gebeten, sich über aktuelle künstlerische Medien einzelnen Themen oder Aspekten zu widmen, die aus der Geschichte, der Umgebung oder auch der Wandlung des Gebäudes ableitbar sind und die diese kritisch wie affirmativ beleuchten. Es handelt sich um die national und international bekannten Künstler*innen Larissa Fassler, Harry Kramer, Ulrike Kuschel, Christian Odzuck und Stefan Odzuck, Alexander Rischer, Bastian Wiels und Alexander Wolff.

Larissa Fassler setzt sich in ihren Werken mit der architektonischen Gestaltung von Städten und Bahnhöfen auseinander und zeigt eine Arbeit zum Pariser Bahnhof „Gare du Nord“. Von dem 1997 verstorbenen Künstler Harry Kramer werden Drahtplastiken aus den 1960er Jahren präsentiert, die das Thema Mensch/ Maschine beleuchten. Ulrike Kuschel präsentiert eine neu entstandene Arbeit, bestehend aus einem Film und Texten, die sich auf Fotografien richtet, die im Zusammenhang mit dem Lager Telgenkamp entstanden sind, in dem während der NS Zeit Zwangsarbeiter untergebracht wurden, die im EAW tätig waren. Christian Odzuck und Stefan Odzuck zeigen eine Videoinstallation, die sich auf Erinnerungen ihres Urgroßvaters bezieht, der Lokführer war. Alexander Rischers Fotografien lenken den Blick auf Randerscheinungen des Geländes rund um das EAW, während Bastian Wiels‘ Arbeiten die Sanierung der Halle I / II des Werks in den Blick nehmen. Alexander Wolff realisiert ein Wandbild, auf dem wiederum Bilder hängen, die die beeindruckenden Fassaden des Eisenbahnausbesserungswerks in Szene setzen.

THE BEST TIME OF OUR LIVES (12.02.22- 06.03.22)


„The Best Time of Our Lives“

An exhibition by Celina Myyry in the water tower of the Kunsthalle Lingen

Dancing, singing and boisterous partying – all these things we have been longing for back since the Corona pandemic. It is precisely this feeling of normality that Celina Myyry wants to awaken with her exhibition.

As part of the Federal Volunteer Service for Culture and Education, Celina Myyry (born 2002) dealt with the current life situation of young people in her project. In the process, the exhibition entitled „The Best Time of Our Lives“ also reflects her own situation. Because while she was doing her Abitur in 2021, she, like many other young people, had to do without course trips, variety shows, Abi holidays and Abi parties because of the pandemic, which not only Celina Myyry found frustrating – without, however, doubting the necessity of the measures.

The exhibition of a snapshot of a party scene is intended to create the impression that young people were partying exuberantly and uninhibitedly one second ago and suddenly disappeared the next, as if the party had to end abruptly – a question of presence and absence. Both party rooms seem deserted – there is not a soul to be seen, nor is there music or voices to be heard. This is to illustrate that all the people were torn from their lives by the pandemic and confronted with a situation they would never have expected.

The scene is reminiscent of good times with friends and family that everyone hopes will soon be over. But also of the reality in which it is currently impossible to celebrate exuberantly and uninhibitedly and clubs and discos are suddenly closed.

The opening of the exhibition will take place on Saturday, 12 February 2022 at 7 pm in the water tower of the Kunsthalle Lingen.

Special thanks go to Marianne Berlage, Meike Behm, Peter Lütje, Franz-Josef Surmann, Annette Sievers, Juliane Plesmann, Lisa Nikowski, and Bettina and Marko Myyry.

The exhibition is generously supported by the city of Lingen (Ems), the Lower Saxony Ministry of Science and Culture, the Heinrich Kampmann Cultural Foundation, the district of Emsland, the Federal Volunteer Service, the LKJ Lower Saxony, as well as the Kunsthalle and the Lingen Art School.

„It should have been the best time of our lives!“

Rochelle Goldberg – Intralocutors: CLICK – 07. Mai bis 03. Juli 2022

Rochelle Goldberg wurde 1984 in Vancouver geboren und lebt heute in New York und Berlin. Sie absolvierte ihr Studium der freien Kunst erst an der Mc Gill University in Montreal und schließlich am renommierten Bard College of Art in New York. Sie präsentierte ihre Arbeit bei Einzelausstellungen u.a. bei The Power Station in Dallas oder in der Casa Masaccio in San Giovanni Valderno in Italien und u. a. bei Gruppenausstellungen im Berkeley Museum of Art, bei Montpellier Contemporary in Montpellier oder auch im Whitney Museum in New York. Die Kunsthalle Lingen präsentiert eine erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland. Die Skulpturen und Installationen von Rochelle Goldberg fragen danach, wie wir die angenommenen Grenzen zwischen Lebewesen und Objekten überschreiten können. In ihrer Arbeit brechen die materiellen und konzeptionellen Unterscheidungen zwischen natürlichen Systemen und der gebauten Umwelt zusammen, synthetisieren sich und bilden sich neu. Unter Berufung auf historische, ökologische, religiöse und poetische Themen hat sie Keramik, Schalen wirbelloser Tiere, Stahl, Selleriewurzeln, Gold, Teppiche, Chiasamen, Maria Magdalena, Maria von Ägypten, Messing, Bronze, Fischskelette, Kunststoffe, polierte Metalle, menschliches Haar, Dampflokomotiven, Pelikane, abgebrannte Streichhölzer, elektrische Schalter, Krokodil- und Schlangenhäute, faseroptische Lichtstränge und Rohöl in ihre Artikulationen einbezogen. Im Raum werden Grenzen und Schwellen nur zum Überschreiten eingerichtet. Skulpturale Formen sind ontologisch unzuverlässig und stellen einige der tiefsten Bindungen der westlichen Kultur in Frage: dass der Körper immer nur einen Ort einnimmt und dass das Sehen der privilegierte Zugang zum Wissen ist. Goldbergs Arbeit fordert eine Neubewertung dieser Ablagerungen, indem sie eine Situation inszeniert, in der Duplizität und Unsicherheit die Oberhand behalten.

Rochelle Goldberg wird vor allem neue, eigens für die Ausstellung entstehende Werke und Installationen fertigen.

Es erscheint ein Katalog.

Veit Laurent Kurz – CORIUM 30. Juli bis 24. Oktober 2021

Die Ausstellung ist Teil der Biennale „Into Nature – New Energy“ im niederländischen Bargerveen

Im Zeitraum vom 30. Juli bis 24. Oktober 2021 realisiert der Künstler Veit Laurent Kurz im Rahmen der niederländischen Biennale „Into Nature – New Energy“  eine eigens für den Wasserturm der Kunsthalle Lingen gestaltete Installation und einen Videofilm. Die Biennale wird seit 2016 bereits zum dritten Mal organisiert und realisiert von dem künstlerischen Leiter Hans den Hartog Jager in Zusammenarbeit mit dem Kurator Michiel van der Kaaij. Das Konzept besteht in einer künstlerisch formulierten Reflektion des Naturschutzgebietes Bargerveen in den Niederlanden in der Provinz Drenthe. Es handelt sich dabei um das einzig verbliebende Hochmoorgebiet in Holland, dessen Geschichte von unterschiedlichen Energieformen durchdrungen ist: Historische Energie, verschwundene Energie, unsichtbare Energie, umstrittene Energie und neue Energie. Etwa dreihundert Vogelarten bewohnen das Gebiet, vierzig Libellenarten, dreißig Schmetterlings- und fast neunhundert Mottenarten.

Noch entscheidender für die Bedeutung des Gebiets ist jedoch, dass das Bargerveen heute ein entscheidender Teil der Energielandschaft der Provinz ist – einer Landschaft, die ihre Existenz zum Teil der Energie verdankt, die sie produziert. Direkt jenseits der Grenze in Deutschland stehen – von den Mooren aus gut sichtbar – Dutzende von hohen Windmühlen. Und in Lingen, ebenfalls direkt hinter der Grenze, steht ein Kernkraftwerk. All diese verschiedenen Arten der Energieerzeugung sind nach wie vor mit Dilemmata verbunden. Was bedeuten sie für die Landschaft? Und warum tragen die Menschen, die dort leben, die Last dieser Energieerzeugung, haben aber das Gefühl, dass sie selbst relativ wenig davon haben? Die Folgen dieser Spannung werden immer sichtbarer. Mit der Ausstellung „Into Nature – New Energy“ soll neue Energie in die Bargerveen gebracht werden und über die Art und Weise nachgedacht, wie diese erzeugt wird. Die präsentierten Kunstwerke beleuchten die Geschichte dieser Region näher und zeigen die sozialen Auswirkungen der Energie auf. Ein weiterer Ort der Biennale ist der Wasserturm der Kunsthalle Lingen mit einem Kunstwerk von Veit Laurent Kurz.

Veit Laurent Kurz  (geb. 1985 in Erbach, lebt in New York und Berlin) absolvierte sein Studium der freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, in Frankfurt am Main. Er präsentierte seine künstlerischen Arbeiten in Einzelausstellungen u.a. im Kunstverein Nürnberg, im Whitney Museum of Modern Art in New York und in der Städtischen Galerie Delmenhorst und nahm an Gruppenausstellungen u.a. bei „Made in Germany 3“ in der Kestner Gesellschaft in Hannover teil, sowie in der Halle für Kunst in Lüneburg und im Kunstverein in Dortmund.

Seine Installation im Wasserturm der Kunsthalle Lingen ergänzt die Vulkane, die Veit Laurent Kurz im Bargerveen realisiert hat. Über ihren Titel „CORIUM“ verweist die Arbeit auf das geschmolzene Material, das in einem Kernreaktor während einer Kernschmelze entsteht. In beiden Räumen sprechen Unterlagen über Lava in Form von Elefantenfüßen davon. Alles wirkt zwar verwohnt und zeugt von Arbeits- und Wohnsituation, es ist hingegen niemand anwesend. Unten scheint jemand mit Flüssigkeiten experimentiert zu haben, oben hat jemand geschlafen, ein Fernseher läuft, aber niemand schaut zu. Zwei angekettete Wesen wirken wie Haustiere, die sich ein Besitzer zu halten scheint. Wer wohnt hier und welche Umstände haben ihr*sein Leben begleitet? Dokumente, Bilder und Modelle weisen auf Atomreaktoren und erzählen von Tschernobyl, wir erinnern uns an 1986, als dort ein verheerender Unfall stattfand.  Die Atmosphäre im Turm ist ebenso bedrückend wie faszinierend und lädt dazu ein, sich Geschichten, Fabeln oder Märchen von hier möglichen lebenden Menschen oder Wesen auszudenken, die „Anti-Depressivum“ und „Anti-Idiotikum“ einnehmen, um zu überleben. Vieles scheint möglich, aber nichts kann eindeutig durch Indizien zu einer plausiblen und in sich stimmigen Deutung zusammengesetzt werden, am Ende ergibt das Puzzle aus diversen Teilen kein gegenständliches Bild. Ist es vielleicht der Künstler selbst oder verweist alles auf ein schreckliches Ereignis, das der*dem Bewohner*in widerfahren ist? 

Helen Feifel something else shapes Lingener Kunstpreis 2020 – bis 13. Juni!

Bereits zum 24. Mal wird der etablierte und renommierte Lingener Kunstpreis vergeben. Seit 1983 widmet er sich ausschließlich Künstlerinnen und Künstlern, die im Medium Malerei arbeiten, bisherige Preisträgerinnen und Preisträger waren u.a. Karin Kneffel (1994), Antje Majewski (1998), Cornelius Völker (2004), Birgit Megerle (2010), Marieta Chirulescu (2014), Éder Oliveira (2016). 2018 erhielt ihn Georgia Gardner Gray.

In diesem Jahr wurden insgesamt zwölf Direktorinnen und Direktoren sowie Kuratorinnen und Kuratoren von Museen aus Deutschland und Bulgarien um jeweils zwei Vorschläge gebeten. Das Niveau der eingereichten Bewerbungen war erstaunlich hoch.  Die Jury – bestehend aus den Mitgliedern des Freundeskreises des Lingener Kunstpreises Sigrid Hohoff, Richard Lange und Peter Leuschner, sowie Dr. Jule Hillgärtner  (Direktorin, Kunstverein Braunschweig), Merle Radtke (Leiterin, Kunsthalle Münster) und Meike Behm (Direktorin, Kunsthalle Lingen) ist zu dem Ergebnis gekommen, den Preis in diesem Jahr an die Künstlerin Helen Feifel zu verleihen. Die Stadt Lingen (Ems) als beratendes Mitglied wurde in Kenntnis gesetzt.

Helen Feifel wurde 1983 in Schwäbisch Gmünd geboren und lebt heute in Berlin, sie schloss ihr Studium der freien Kunst 2011 an der Kunstakademie in Karlsruhe ab. Ihre Arbeiten wurden bisher in Einzelausstellungen im Museum Mönchehaus in Goslar und im Kunstverein Braunschweig gezeigt und sie nahm an Gruppenausstellungen im Sprengel Museum Hannover, in der Städtischen Galerie Nordhorn und in der Bundeskunsthalle in Bonn teil.

Helen Feifel arbeitet sowohl im Medium übermalte Fotografie als auch aquarellierte Zeichnung und Skulptur. In ihren Werken interessieren sie traditionelle Aspekte der Malerei wie Zusammenstellungen, Harmonien und Kontraste von Farben sowie nuancierte Spannungsverhältnisse bei der Komposition eines Bildes oder eines Objekts. Ohne Rücksicht auf Ideologie oder auch Hierarchie wählt Helen Feifel ihre Materialien und Vorlagen – holländische Stillleben oder auch Mode bilden unter anderem Inspirationsquellen. Es entstehen teils großformatige Bilder, die durch ganz eigene Wirklichkeiten überraschen und durch besondere Farb- und Formenkompositionen faszinieren. Ebenso kleinformatige Zeichnungen in Bleistift und Aquarell mit Titeln wie „Toter Hase mit Affen und Vögeln“ sowie übermalte Fotografien mit Titeln wie „Zwei Blumensträuße mit Gefäss“ ermöglichen gegenständliche Assoziationen und rufen die Kunst des 17. Jahrhunderts in Erinnerung. Gleichzeitig aber hinterfragen die Werke Helen Feifels diese Tradition, indem sie diese heute wie aus Bruchstücken zusammengesetzt reflektiert.

Die Ausstellung von Helen Feifel und der sie begleitende Katalog werden durch den Freundeskreis des Lingener Kunstpreises ermöglicht.  

Die Preissumme wird durch Rechtsanwalt und Notar Robert Koop und Dr. Heribert Lange verbunden mit Mitteln aus der Lingener Bürgermeisterstiftung finanziert.

Altmann Kunst Monecke Wake 03. Juli – 19. September 2021

Der Titel der Gruppenausstellung nennt die Nachnamen von vier Künstlern einer Generation, die zwar nicht alle im Emsland geboren wurden, hingegen dort teilweise lebten und arbeiteten. Es handelt sich um Beringer Altmann, Friedrich Kunst, Karl-Heinz (Charly) Monecke und Richard Wake. Alle wurden in den 1930er Jahren geboren und haben vor allem die Nachkriegsjahre mit den Kunstströmungen Informel, Pop Art, Aktion und Happening  und expressive Malerei erfahren und in ihrem Werk auf jeweils eigene Art und Weise reflektiert. Beringer Altmann arbeitete im Medium Malerei, Friedrich Kunst schuf Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen, Karl-Heinz (Charly) Monecke malte vor allem Bilder und Richard Wake war bekannt durch seine Skulpturen aus Stahl, Eisen oder auch Aluminium, die er auch im öffentlichen Raum präsentierte.  Über die Korrespondenz in der Präsentation von Malerei, Grafik und Skulptur der vier Künstler wird es sowohl möglich, die jeden einzelnen Künstler prägende Formensprache und ihre Inhalte aus ihrer jeweiligen Zeit der Entstehung heraus zu vermitteln als auch diese miteinander zu vergleichen. Gerade weil es sich bei der Auswahl der Künstler um Menschen einer Generation handelt, die auf die Kunstströmungen seit den 1960er Jahren aus der Perspektive der Peripherie reagiert haben und zwar in großen Städten studiert haben, aber dann danach vor allem in einer kleinen Stadt wie Lingen (Ems) gearbeitet haben, können im Rahmen der Ausstellung Fragen nach einem ihrer Zeit gemäßen Stil oder auch nach einer Zeitlosigkeit in den Inhalten und in der jeweiligen Formensprache verhandelt werden.  Insofern werden sowohl die jeweiligen Eigenheiten der Personen Beringer Altmann, Friedrich Kunst, Karl-Heinz (Charly) Monecke und Richard Wake wie auch ihrer Kunstwerke intensiv vermittelt als auch ihre unterschiedlichen Inspirationsquellen und kulturellen Hintergründe diskutiert. Ebenso wird ihre über diese Region hinausgehende Wirkung vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung für die kulturelle Identität einer Region kritisch reflektiert. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Die Ausstellung und der Katalog werden großzügig unterstützt durch die Lingener Bürgerstiftung. Der Katalog wird großzügig durch die Emsländische Landschaft für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim e.V. gefördert.

Mon coeur mis à nu (Mein Herz entblößt) 9. Oktober – 28. November

Marlies Behm, Anne Bellinger, Ferencz Borbàla, Laura Gerte, Angela Geisenhofer, Anouk van Kampen Wieling, Théo Lalis, Florentina Leitner, Taner Tümkaya

Kuratiert von Meike Behm und Taner Tümkaya

Das Verhältnis von Kunst und Mode ist komplex, und oft auch von Komplexen geprägt. „Der Kunstdas Ewige, der Mode die Vergänglichkeit“ lautete lange Zeit das Unverträglichkeitsparadigma. Die Erweiterung des Kunstbegriffs und die Entauratisierung des Kunstwerks durch seine technische Reproduzierbarkeit wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Angriff genommen wurden, haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich Mode und Kunst gegenseitig miteinander auseinandersetzten. Dadaist*innen, Vertreter*innen des Suprematismus und Künstler*innen im Bauhaus, um nur einige Beispiele aus der klassischen Moderne zu nennen, haben nicht nur die Auflösung der Grenze zwischen angewandter und hoher Kunst vorangetrieben, sondern die Mode und das Modische im Kunstbetrieb tief verankert. Seither ist die Zeitgenossenschaft als Kriterium künstlerischer Qualität aus der Kulturökonomie ebenso für Mode als auch für Kunst nicht mehr wegzudenken. Beide Bereiche reflektieren aktuelle Aspekte wie Identität, Genderfragen, Rollenspiel, die Grenze zwischen freier und angewandter Kunst auf ebenso gemeinsame wie unterschiedliche Art und Weise. Die Ausstellung „Mon coeur mis à nu (Mein Herz entblößt)“ besteht aus mehreren Elementen, die sich formal und inhaltlich auf einander beziehen, um vor allem eine Offenheit für verschiedenste Lesarten zu eröffnen, die sich um die Komplexe „Mode“ und „Kunst“ drehen. Den Auftakt des Projekts bildet eine theatralisch inszenierte Modenschau, innerhalb derer sieben Modedesigner*innen Teile ihrer Arbeit präsentieren. Beteiligt sind Anne Bellinger und Laura Gerte aus Berlin, Florentina Leitner aus Wien, Ferencz Borbàla aus Lissabon, Anouk van Kampen Wieling aus Amsterdam und Théo Lalis aus London. Ihre Mode ist jeweils individuell und basiert teilweise auf dem Prinzip nachhaltiger Produktion. Diese Show wird von dem Künstler und Modefotograf Taner Tümkaya gefilmt, dieser Film sowie von ihm gefertigte Fotografien sind Bestandteil der Ausstellung und werden gemeinsam mit den vorgeführten Kleidungsstücken präsentiert. Ebenfalls wird Schmuck von den Goldschmiedinnen Marlies Behm aus Lübeck und Angela Geisenhofer aus München präsentiert. Während der Laufzeit der Ausstellung bieten die Designer*innen und Marlies Behm jeweils einen öffentlichen Wochenendworkshop an, an dem jede*r teilnehmen kann. Die Woche nach dem Workshop kann genutzt werden, wenn begonnene Kleidungsstücke nicht vollendet werden konnten, entstandene Kleidungsstücke werden im Rahmen einer Abschlussshow öffentlich präsentiert. An einem Abend wird das inhaltlich komplexe Thema „Mode versus Kunst“ öffentlich durch Expert*innen aus beiden Bereichen verhandelt. Zur Ausstellung erscheint ein Booklet. Die Ausstellung wird großzügig gefördert durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Emsland. Die Durchführung der Workshops wird großzügig unterstützt durch den Sonderfonds des Kunstfonds Bonn.

Heidi Specker – Damme 11. Dezember – 6. März 2022

Im Herbst 2021 realisiert die Kunsthalle Lingen in ihren beiden Räumen die Präsentation der Ausstellung mit dem Titel „DAMME“ der Künstlerin Heidi Specker. 1962 in der gleichnamigen Stadt geboren, lebt sie heute in Berlin und leitet als Professorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig die Fotoklasse. Nach einem Studium der Visuellen Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld und war sie Meisterschülerin von Joachim Brohm an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Das Kunstmuseum Bonn und die Berlinische Galerie richteten ihr u.a. Einzelausstellungen aus und sie nahm u.a. an Gruppenausstellungen in der Kunsthalle Wien und im National Museum of Art in Kyoto teil.

Heidi Specker arbeitet im Medium Fotografie. Die 2019 entstandene Arbeit „DAMME“ besteht aus 70 Fotografien, die auf intensive Art und Weise das Leben auf dem Land ebenso reflektieren wie auch kommentieren. In Damme herrscht Normalität, isolierte Momentaufnahmen einer Landschaft von Asphalt, Beton und Backstein verweisen auf Anonymität und Ödnis; Monokulturen von Maisfeldern und Windräder charakterisieren die Landschaft. Im ländlichen Großraum sorgt nicht der Späti oder der Kiosk, sondern der Getränkemarkt für alkoholische Versorgung. Im Fokus stehen Jugendliche, privilegiert in ihrem Zustand zwischen Träumerei und Erwartung des Zukünftigen. Die Aufnahmen erzählen vom Aufbruch teilweise aus der Nähe, teilweise mit Distanz, halten Rückschau und spiegeln Lebensstationen. Ein Videofilm enthält die Episoden „Landstraße“ und „Glückauf“ und ergänzt die Fotografien.

Weiterer Bestandteil der Ausstellung ist das Projekt „CORNFELD“, zu dem Heidi Specker Künstler*innen dazu einlud, einem historischen Kupferstich mit der Nutzpflanze Mais, veröffentlicht 1895 im Hausschatz des Wissens: „Das Pflanzenreich“, etwas hinzuzufügen. Entstanden sind individuelle Blätter der national und international bekannten Künstler*innen von Andrea Büttner, Anna Haifisch, Antje Majewski, Beate Terfloth, Daniela Burger, Dragutin Banic, Erik Swars, Florian Merkel, Gerd Grüneis, Isabelle Fein, Kerstin Drechsel, Laura Horelli, Lina Ehrentraut, Lutz Braun, Marcus Weber, Martin Städeli, Maximilian Kirmse, Olivier Guesselé-Garai, Peter Herrmann, Raaf van der Sman, Sebastian Hammwöhner, Stefan Vogel, Sunah Choi, Susanne Bürner, Tatjana Doll, Ulrike Kuschel, Wilhelm Klotzek und Wawrzyniec Tokarski.

Inhaltlich vermitteln die Arbeiten „DAMME“ und „CORNFELD“  an einem Ort wie Lingen Fragen, die auch Menschen und Landschaft rund um diese mittelgroße Stadt betreffen. Auch hier blicken junge Menschen erwartungsvoll in die Zukunft, auch hier gibt es begrenzte Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, auch hier bestimmt Massentierhaltung teilweise eine agrareffizient ausgerichtete Landwirtschaft. Von daher verhandelt die Ausstellung in Lingen gesellschaftlich relevante Aspekte, die über diesen Ort hinaus viele ländliche Regionen betreffen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der das Projekt CORNFELD vermittelt.

Im Kabinett zeigen wir einen Film in zwei Episoden von Alina Schmuch und Heidi Specker.

Die Ausstellung und der Katalog werden großzügig durch die Stiftung Niedersachsen und die H E H Essmann Stiftung unterstützt.