Mon coeur mis à nu (Mein Herz entblößt) 9. Oktober – 28. November

Marlies Behm, Anne Bellinger, Ferencz Borbàla, Laura Gerte, Angela Geishofer, Anouk van Kampen Wieling, Theo Lalis, Florentina Leitner, Taner Tümkaya 

Das Verhältnis von Kunst und Mode ist komplex, und oft auch von Komplexen geprägt. „Der Kunst das Ewige, der Mode die Vergänglichkeit“ lautete lange Zeit das Unverträglichkeitsparadigma. Die Erweiterung des Kunstbegriffs und die Entauratisierung des Kunstwerks durch seine technische Reproduzierbarkeit wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Angriff genommen wurden, haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich Mode und Kunst gegenseitig miteinander auseinandersetzten. Dadaist*innen, Vertreter*innen des Suprematismus und Künstler*innen im Bauhaus, um nur einige Beispiele aus der klassischen Moderne zu nennen, haben nicht nur die Auflösung der Grenze zwischen angewandter und hoher Kunst vorangetrieben, sondern die Mode und das Modische im Kunstbetrieb tief verankert. Seither ist die Zeitgenossenschaft als Kriterium künstlerischer Qualität aus der Kulturökonomie ebenso für Mode als auch für Kunst nicht mehr wegzudenken. Beide Bereiche reflektieren aktuelle Aspekte wie Identität, Genderfragen, Rollenspiel, die Grenze zwischen freier und angewandter Kunst auf ebenso gemeinsame wie unterschiedliche Art und Weise. 
Die Ausstellung „Mon coeur mis à nu (Mein Herz entblößt)“ besteht aus mehreren Elementen, die sich formal und inhaltlich auf einander beziehen, um vor allem eine Offenheit für verschiedenste Lesarten zu eröffnen, die sich um die Komplexe „Mode“ und „Kunst“ drehen. Den Auftakt des Projekts bildet eine theatralisch inszenierte Modenschau, innerhalb derer sieben Modedesigner*innen Teile ihrer Arbeit präsentieren. Beteiligt sind Anne Bellinger und Laura Gerte aus Berlin, Lena Boesch und Florentina Leitner aus Wien, Ferencz Borbàla aus Lissabon, Anouk van Kampen Wieling aus Amsterdam und Theo Lalis aus London. Ihre Mode ist jeweils individuell und basiert auf dem Prinzip nachhaltiger Produktion. Diese Show wird von dem Künstler und Modefotograf Taner Tümkaya gefilmt, dieser Film ist Bestandteil der Ausstellung. Auch die vorgeführten Kleidungsstücke sind Teil einer Gruppenausstellung, die ebenfalls Fotografien aus dem Bereich Mode enthält. Im Rahmen eines Displays stellt Michael Part von ihm kreierte Parfums vor. Während der Laufzeit der Ausstellung bieten die Designer*innen jeweils einen öffentlichen Wochenendworkshop an, an dem jede*r teilnehmen kann. Die Woche nach dem Workshop kann genutzt werden, wenn begonnene Kleidungsstücke nicht vollendet werden konnten. Die entstehenden Kleidungsstücke werden im Rahmen einer Abschlussshow öffentlich präsentiert. Das inhaltlich komplexe Thema „Mode versus Kunst“ wird an einem Abend öffentlich durch Expert*innen aus beiden Bereichen verhandelt. Zur Ausstellung erscheint ein Booklet.
Die Ausstellung wird großzügig gefördert durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Emsland. Die Durchführung der Workshops wird großzügig unterstützt durch den Sonderfonds des Kunstfonds Bonn.