Heidi Specker – Damme

Im Herbst 2021 realisiert die Kunsthalle Lingen in ihren beiden Räumen die Präsentation der Ausstellung mit dem Titel „DAMME“ der Künstlerin Heidi Specker. 1962 in der gleichnamigen Stadt geboren, lebt sie heute in Berlin und leitet als Professorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig die Fotoklasse. Nach einem Studium der Visuellen Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld und war sie Meisterschülerin von Joachim Brohm an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Das Kunstmuseum Bonn und die Berlinische Galerie richteten ihr u.a. Einzelausstellungen aus und sie nahm u.a. an Gruppenausstellungen in der Kunsthalle Wien und im National Museum of Art in Kyoto teil.

Heidi Specker arbeitet im Medium Fotografie. Die 2019 entstandene Arbeit „DAMME“ besteht aus 70 Fotografien, die auf intensive Art und Weise das Leben auf dem Land ebenso reflektieren wie auch kommentieren. In Damme herrscht Normalität, isolierte Momentaufnahmen einer Landschaft von Asphalt, Beton und Backstein verweisen auf Anonymität und Ödnis; Monokulturen von Maisfeldern und Windräder charakterisieren die Landschaft. Im ländlichen Großraum sorgt nicht der Späti oder der Kiosk, sondern der Getränkemarkt für alkoholische Versorgung. Im Fokus stehen Jugendliche, privilegiert in ihrem Zustand zwischen Träumerei und Erwartung des Zukünftigen. Die Aufnahmen erzählen vom Aufbruch teilweise aus der Nähe, teilweise mit Distanz, halten Rückschau und spiegeln Lebensstationen. Ein Videofilm enthält die Episoden „Landstraße“ und „Glückauf“ und ergänzt die Fotografien.

Weiterer Bestandteil der Ausstellung ist das Projekt „CORNFELD“, zu dem Heidi Specker Künstler*innen dazu einlud, einem historischen Kupferstich mit der Nutzpflanze Mais, veröffentlicht 1895 im Hausschatz des Wissens: „Das Pflanzenreich“, etwas hinzuzufügen. Entstanden sind individuelle Blätter der national und international bekannten Künstler*innen von Andrea Büttner, Anna Haifisch, Antje Majewski, Beate Terfloth, Daniela Burger, Dragutin Banic, Erik Swars, Florian Merkel, Gerd Grüneis, Isabelle Fein, Kerstin Drechsel, Laura Horelli, Lina Ehrentraut, Lutz Braun, Marcus Weber, Martin Städeli, Maximilian Kirmse, Olivier Guesselé-Garai, Peter Herrmann, Raaf van der Sman, Sebastian Hammwöhner, Stefan Vogel, Sunah Choi, Susanne Bürner, Tatjana Doll, Ulrike Kuschel, Wilhelm Klotzek und Wawrzyniec Tokarski.

Inhaltlich vermitteln die Arbeiten „DAMME“ und „CORNFELD“  an einem Ort wie Lingen Fragen, die auch Menschen und Landschaft rund um diese mittelgroße Stadt betreffen. Auch hier blicken junge Menschen erwartungsvoll in die Zukunft, auch hier gibt es begrenzte Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, auch hier bestimmt Massentierhaltung teilweise eine agrareffizient ausgerichtete Landwirtschaft. Von daher verhandelt die Ausstellung in Lingen gesellschaftlich relevante Aspekte, die über diesen Ort hinaus viele ländliche Regionen betreffen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der das Projekt CORNFELD vermittelt.

Die Ausstellung und der Katalog werden großzügig durch die Stiftung Niedersachsen unterstützt.