Im Kabinett werden Panoramaaufnahmen von Kay Kaul aus Künstlerateliers, Galerien und Sammlerwohnungen gezeigt. Seit mehreren Jahren konzentriert sich der Düsseldorfer Fotograf auf diese spezielle Fototechnik, bei der im 30 Grad Rhythmus Räume horizontal rundum erfass werden. Besonders ist dabei die Lichtführung, die Tages- und Kunstlicht gleichzeitig nutzt, was bisher in der Fotografie für kaum möglich gehalten wurde, und so äußerst realitätsnahe Aufnahmen entstehen lässt. Diese sind gleichzeitig zeitgenössische Dokumente der drei Grundsäulen der Kunstszene: Atelier, als Entstehungsort der Kunst, Galerie, die die Kunst erwerbbar macht und Privatwohnung, in der die Kunst meist lange bevor sie im Museum landet, ihren Platz findet. Auf einigen der Fotos der Serien Studioscapes, Galleryscapes und Collectorsscapes werden Arbeiten von Künstlern und Künstlerinnen zu sehen sein, die in Lingen gezeigt worden sind. Kataloge zu den drei Werkgruppen liegen vor.
Cross Border
Am Sonntag, dem 9. Januar 2005, wurde um 11.30 Uhr im Kabinett der Kunsthalle die Ausstellung Cross Border NL – D mit Installationen von Saskia Boelsums und Peter Veen und Malerei von Rudy Lanjouw eröffnet. Diese Ausstellung wird eine Reihe eröffnen, in der Künstlerinnen und Künstler aus der Lingener Region und aus der Nachbarregion Drenthe in den Niederlanden ins Gespräch kommen sollen und ihre Werke im jeweils anderen Land zeigen können. Es sprechen Marleen Oberthür, 1. Vorsitzende des Kunstvereins und Roelof Offereins. Direktor des CBK Drenthe.
Auffällig, fröhlich, überraschend, interaktiv. Das sind Schlüsselwörter für das Werk des holländischen Künstlerduos Saskia Boelsums und Peter Veen, von denen eine Reihe von repräsentativen Installationen im Kabinett der Kunsthalle zu sehen sind. In dieser Ausstellung sind zudem neue Bilder des holländischen Malers Rudy Lanjouw zu sehen.
Saskia Boelsums und Peter Veen machen Installationskunst, die im Prinzip jede Form haben kann, die oft Laute von sich gibt, die sich vielleicht bewegt oder aus unerwarteten Materialien aufgebaut ist. Das Konzept oder die Idee wird von ihnen in Text und Bild ausgearbeitet. Die Installation Herbst zum Beispiel reduziert das komplizierte „Konzept“ des Herbstes auf eine simple Fußbewegung. Natürlich gibt es auch einen tieferen Hintergrund, denn die Natur in Europa verändert sich schnell infolge der Klimaänderungen. Herbst ist eine Rekonstruktion, mit der versucht wird, das Wesentliche des Herbstes festzulegen und zu bewahren. Beide Künstler finden, dass “Kunst natürlich auch eine tiefere Ebene haben muss, Kunst muss zugleich aber auch überraschend sein und den Besucher eben kurz austricksen”, wie sie sagen.
In Rudy Lanjouws Bildern geht es um die Darstellungen der Wirklichkeit. Gegenstände, oft Fundstücke wie Steine, vor allem aber menschliche Figuren, gezeichnet zunächst mit Buntstift, sind Inhalt seiner Werke. In den letzten Jahren reduzierte er die Figuren auf Kopf und Schulterpartie. Dabei geht es ihm in erster Linie um den Umriss. Diese Form taucht mit Unterbrechungen immer wieder in seinem Werk auf. Lanjouw vermengt Farbe mit Sand und Marmorstaub und trägt diese in Schichten auf. Er hat keine Angst vor starken Kontrasten und fröhlichen, manchmal fast grellen Farben. Inzwischen hat er eine persönliche, abstrakte Formensprache entwickelt. Er lässt sich aber immer noch regelmäßig durch Fundstücke überraschen.
Roland Fischer – Comino
Im künstlerischen Werk des Münchener Fotografen, Roland Fischer, geb. 1958, sind Menschen und Architektur die bestimmenden Sujets. Für den Fotografen steht jedoch nicht das Abbild von Wirklichkeit im Vordergrund, sondern vielmehr die Vorstellung einer exakten Trennung zwischen Motiv und Kontext. In dem er seine vorab entwickelten Bildideen bewusst in Widerspruch zur Abbildungsfunktion der Fotografie setzt, berührt Roland Fischer nicht nur die Frage nach der Autonomie der Kunst, sondern reflektiert auch die Antworten.
In der Ausstellung in der Lingener Kunsthalle werden Arbeiten aus der Werkgruppe „Camino“ gezeigt. Diese werden ergänzt durch Fotoarbeiten aus der umfangreichen und noch nicht abgeschlossenen Reihe „Fassaden“.
Bei den Camino-Arbeiten handelt es sich um das Ergebnis einer Reise, die Roland Fischer auf Vorschlag des CGAC (Centro Galego de Arte Contemporánea), im Frühjahr 2003 unternahm. Er sollte die Kathedralen und Kirchen des Pilgerweges nach Santiago portraitieren und die durch Jahrhunderte hindurch für den Gottesdienst und die Beherbergung der Pilger bestimmten Stätten von neuem besuchen. Dabei sollte er die Protagonisten des Jakobswegs nicht außer acht lassen: die Pilger – mehr als Tausend hat er fotografiert und deren Portraits zu einem riesigen Tableau zusammengefasst. Portraits sind aber auch seine Aufnahmen der Kathedralen und Kirchen, sie präsentieren übereinander gelagerte Ansichten der emblematischen Gebäude, und, in dem sie die erkennbaren Fragmente vereinbaren, zeigen sie eine irgendwie abstrakte Wirklichkeit, wo Transparenz zur Metapher des Unsichtbaren wird.
Lingener Kunstpreis 2004 – Malerei
Die Entscheidung zur Vergabe des Lingener Kunstpreises 2004 ist gefallen. Die Jury hat am 23. Juni 2004 getagt und den Preis an Cornelius Völker vergeben. Der Kunstverein Lingen zeigt den Düsseldorfer Künstler in der Lingener Kunsthalle auf 550 qm in einer umfangreichen Einzelausstellung vom 24. Oktober bis zum 18. Dezember 2004.
Zur Jury gehörten als Gäste Rita Kersting, Direktorin des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, und Dr. Daniel Spanke, Leiter der Kunsthalle in Wilhelmshaven. Heiner Schepers, Leiter der Lingener Kunsthalle, war ein weiterer Fachjuror und als Laienjuroren gehörten aus dem Arbeitskreis Ausstellungen des Kunstverein Lingen, Sigrid Hohoff, Petra Kunzelmann und Richard Lange zur Jury. Diese hat sich nach ausgiebiger Diskussion dafür entschieden, den Preis an Cornelius Völker, geb. 1965, zu verleihen, einen Künstler, dessen malerisches Werk unverwechselbar, vielseitig und von außergewöhnlicher malerischer Dichte ist. Die Entscheidung ist mehrheitlich getroffen worden.
Cornelius Völker hat in Düsseldorf an der Kunstakademie bei Prof. Dieter Krieg studiert, bei dem er auch 1994/95 Meisterschüler war. Seine Arbeiten verleugnen diesen Hintergrund nicht, zeigen aber deutlich, dass er sowohl in der Malerei als auch in den Inhalten einen eigenen Weg geht. Er bekennt sich uneingeschränkt zur Figuration, spielt seine Sujets in Reihen durch und verfügt über eine unerschöpfliche inhaltliche Vielfalt.
Der Lingener Kunstpreis wird in diesem Jahr von der Emsländischen Sparkassenstiftung getragen. Er wird seit 1994 alle 2 Jahre vergeben, ab diesem Jahr nach erneut geänderten Spielregeln. Er ist ein reiner Malereipreis und jetzt mit 7.777 € Preisgeld ausgestattet. Er ist verbunden mit einer Einzelausstellung in der Lingener Kunsthalle und der Herausgabe eines Kataloges (da mit Aufnahmen aus der Ausstellung erst Mitte November). Die Stadt Lingen kauft voraussichtlich für die städtische Kunstsammlung eine zentrale Arbeit an. Preisträgerinnen seit 1994 waren Karin Kneffel, Düsseldorf, 1994, Andrea Scrima, Berlin, 1996, Antje Majewski, Berlin, 1998, Matthias Kanter, Leipzig, 2000 und Amalia Theodorakopoulos, Frankfurt, 2002. Seit 1983 wird der Lingener Kunstpreis (bis 1992 jährlich) zum 16. Mal verliehen.
Martin Eder – Die kalte Kraft
In der Lingener Kunsthalle ist ab dem 15. August einer der zur Zeit am meisten diskutierten Maler der jüngeren Generation zu sehen. Seine Ausstellung wird um 11.30 Uhr durch Marleen Oberthür, 1. Vorsitzende des Kunstvereins eröffnet. Eine Einführung in das Werk gibt der Leiter der Kunsthalle, Heiner Schepers. Der Künstler wird bei der Eröffnung anwesend sein. Martin Eder, geboren 1968, ist ein außergewöhnlicher Maler. In seinem bisherigen Werk spielen aber auch Installation, Skulptur, Film und Performance eine herausragende Rolle. In der Lingener Kunsthalle gibt er mit vielen neuen Arbeiten einen umfangreichen Einblick in sein aktuelles Werk.
Schönheit und Morbidität sind in seinen Arbeiten eng miteinander verbunden. Vor allem Eders leuchtende Aquarelle haben die verträumt romantische Ästhetik des Mediums abgelegt. In ihnen herrscht die schnelllebige, mediengesättigte Realität von 30-Sekunden-Werbespots und einer urbanen Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts – fragmentierte Erinnerungen, Fernsehbilder und Songs, die vor allem durch ihren kommerziellen Kontext vermittelt werden.
Eines seiner unverwechselbaren „Markenzeichen“ sind mit sicherer Hand gemalte, farbenfreudige, unschuldige Porträts von Katzen und Hunden – und von schönen Frauen. Dabei erwecken deren Schönheit und ihr nicht sofort durchscheinender ängstlicher existentialistischer Kern auch ein Gefühl des Morbiden. Eder bringt diesen Kern ans Licht, indem er die Popkultur des Grusels zitiert, die von süßen, kitschigen Gesichtern zehrt – Fassaden des blanken Horror vacui – die über eine darunter lauernde furchtbare Leere hinwegtäuschen.
Ein anderes sind seine Installationen, in denen er Skulptur, Malerei und oft auch Performance verbindet. In ihnen spürt er der Realität einer Gegenwart nach, die sich für viele Zeitgenossen weitgehend im „Erleben“ aus Medien speist; „Realität“ mediengerecht aufbereitet, in leicht konsumierbaren Häppchen gereicht, das Grauen der realen Nachrichten zwischen die Ästhetik der Werbung und der sie begleitenden banalen Serien gepackt. Martin Eder konfrontiert den Betrachter in seinen Arbeiten aus unmittelbarer Nähe mit dieser Medienrealität – und mit dem ihm eigentlich Wichtigen – dem Reich der Erinnerung, der Melancholie und des Vergehens. Mit kalter Kraft nutzt er eine Ästhetik, die glitzernde Verführung mit horrorfilmhafter Theatralik vereint, um ein System aus künstlichen Werten und eine damit einhergehende Welt des Verlustes zu beschreiben.
„Er ist (dabei) kein politisch oder systemkritisch motivierter, geschweige denn aus solch einer Position heraus agierender Künstler, sondern ein Kind seiner Zeit, das die in ihr vorherrschenden ästhetischen Kategorien als Chiffren des eigenen Lebensgefühls empfindet und sie als künstlerische Werk- und Spielzeuge einsetzt. Das klare Bewusstsein des nahenden Verfallsdatums dieser Kategorien, deren Ablösung durch ständig neue in immer schneller sich abwechselnden Zeitabständen droht, ist ihm dabei jederzeit präsent. Forever isn’t very long (Titel der Installation, auf die sich dieses Zitat bezog). Vielleicht verhält sich Eders Kunst gerade deshalb so zu ihnen, als hätte sie selbst keine Zeit mehr zu verlieren, als hätte sie noch nie welche zu verlieren gehabt. Es ist nicht zuletzt dieser kreative Wiederspruch aus Faszination und Paraphrase, aus dem sich seine Arbeit weitgehend speist,“ schreibt Thomas Elsen im Katalog „The Return of the Anti-Soft“.
Vermittlungsprogramm
Vermittlung der Ausstellungen
Führungen
Kostenlose Führungen finden Sonntags um 15.30 Uhr und jeweils am ersten Donnerstag im Monat um 18.30 Uhr mit der Direktorin der Kunsthalle Meike Behm statt – an diesem Tag ist der Eintritt in die Ausstellung ab 18 Uhr frei.
Gruppenführungen
Der Kunstverein bietet Führungen für interessierte Gruppen oder Schulklassen an. Diese werden von sachkundigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführt und geben teilnehmerorientiert einen vertiefenden Einblick in die jeweils gezeigte Ausstellung.
Führung mit Aktionsprogramm
Ebenso bietet die Kunsthalle gezielte Mitmachaktionen an. Anspruch dieses Angebotes ist die gezielte Förderung der Wahrnehmung von künstlerischen Techniken und Inhalten, aber auch der behandelten Thematiken. Darüber hinaus wird durch praktisches Handeln Eigeninitiative und individuelles Gestaltungsvermögen intensiviert. Zu jeder Ausstellung werden besondere Angebote erarbeitet.
Blick hinter die Kulissen für Lehrerinnen und Lehrer
Im Rahmen des Aufbaus einer Ausstellung bieten wir Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und im Gespräch mit den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern ihre Inhalte zu erfahren. Hierüber bietet sich die Möglichkeit, Ideen für einen Besuch mit Schulklassen zu entwerfen und gezielt Themen zu entwickeln, die in das Curriculum des Unterrichts passen.
Besuch von Schulklassen unter Leitung der Lehrerinnen und Lehrer
Angemeldete Schulklassen können die Kunsthalle auch allein mit ihrem Lehrpersonal besuchen. Zur Vorbereitung können Kataloge oder wahlweise Ersatzmaterial angefordert werden. Für diese Veranstaltung besteht kein Zeitlimit.
Künstlergespräche
Alle Ausstellungen werden jeweils durch ein öffentliches und kostenloses Gespräch mit den Künstlerinnen und Künstlern begleitet.
Wir danken für die großzügige Unterstützung:
Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Kooperation
Die Kunsthalle Lingen kooperiert mit dem Kulturzentrum Centralkino e.V. in der Marienstraße. Diese Zusammenarbeit basiert auf dem von der Kunsthalle entworfenen Konzept, jeweils Filme (Dokumentar- und Spielfilme) zu zeigen, die in Korrespondenz mit den Inhalten der Ausstellungen der Kunsthalle stehen oder auch von den jeweils ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern vorgeschlagen werden.
Kooperation
Den Kunstunterricht des Gymnasium Georgianum Lingen bereichern Exkursionen in Museen, wie zum Beispiel in die Lingener Kunsthalle, nach Essen ins Folkwang Museum und in die Kunsthalle in Münster.
Sowohl im Georgianum als auch in der Kunsthalle Lingen finden in zeitlichen Abständen Ausstellungen der Schüler statt.
http://kunst.gymnasium-georgianum.de/kunst-mehr/exkursionen/
Kooperation
„Nach Fast Food und andere Ereignisse“
Werkschau des E-Kurses Kunst (Jg. 12) des Franziskusgymnasiums Lingen
Eröffnung: 16. Februar 2018
17. Februar – 11. März 2018
http://www.franziskusgymnasium.de/after-fast-food-und-andere-ereignisse/
Kooperation
Herzliche Einladung an alle Kinder, die das SkF Lingen unterstüzt.
Meldet euch einfach zu den Veranstaltungen
der Kunstvermittlung an, in der Kunsthalle Lingen
oder beim SkF, die euch dann anmelden,
… und los geht es …
Die Kunstvermittler freuen sich auch EUCH!
Bei Bedarf bietet die Kunsthalle Lingen
alle angebotenen Aktionen der Kunstvermittlung kostenlos an,
damit allen Kindern die Teilnahme am kulturellen Leben ermöglicht werden kann.
Anmeldung erforderlich!






Die Kunstvermittlung der Kunsthalle wird unterstützt durch:



