Mitgliederausstellung 2008

Am Freitag, dem 4. Januar 2008, eröffnet die 1. Vorsitzende des Kunstverein Lingen, Marleen Oberthür, um 19 Uhr in der Lingener Kunsthalle die juryfreie Mitgliederausstellung des Kunstvereins, die damit zum 5. Mal in der Kunsthalle veranstaltet wird. 39 Mitglieder beteiligen sich mit Ihren Werken an dieser Ausstellung, mehr als je zuvor. Heiner Schepers, Leiter der Kunsthalle, wird zur Eröffnung reden.

Einmal jährlich organisiert der Kunstverein für diejenigen seiner Mitglieder, die selber künstlerisch tätig sind, eine Ausstellung. In den geraden Jahren findet sie in der Kunsthalle statt und in den ungeraden Jahren als „Kunstwege in Lingen“, gemeinsam organisiert mit dem Lingener Wirtschaftsverband, in den Schaufenstern Lingener Geschäfte in der Innenstadt. In beiden Fällen ist die Teilnahme nicht an die Vorauswahl durch eine Jury gebunden. Der Kunstverein erhofft sich so, einen weitgehend ungefilterten Einblick in das Kunstschaffen seiner Mitglieder zu erhalten und diesen der Öffentlichkeit vermitteln zu können. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern betreiben ihr künstlerisches Schaffen nicht unter beruflichen Aspekten. Viele der beteiligten Künstlerinnen und Künstler haben langjährige gute Kontakte zur Kunstschule des Kunstvereins, einige auch zur Volkshochschule.

 

An der Ausstellung in diesem Jahr sind beteiligt: Margret Bonnekessen, Hildegard Bruckdorfer, Luc Buschkens, Horst Caillé, Irena Demtröder-Kutschera, Peter Diehl, Alwine Elseberg, Andreas Espelage, Marianne Falkuß, Ursula Feldmann, Christel Fielers, Edith Flisse, Ursula Franke, Iris Hackländer, Ute Halves, Gisela Hauptfleisch, Dr. Roland Hauptfleisch, Judith Hilmes, Lena Junk, Gisela Kaib, Christian Köhler, Julie Kopp, Alfons Kordsmeier, Barbara Kruse, Hermann Kühlenborg, Stephan Küthe, Carmen Liene, Karl-Heinz Monecke, Martina Niemann, Katrin Oldiges, Ferdinand Pawlowski, Barbara Plogmann, Ursula Rasing, Heidegunde Sack, Hans Schimitzek, Anne Schröder-Haming, Theresia Schulte-Wess, Thorsten Sieber und Michael Taubken. Die Ausstellung wird mit einem Fest für, von und mit den Künstlerinnen und Künstlern eröffnet. Beginn des Festes ist am 4. Januar 2008 um 19.30 Uhr. Zur Ausstellungseröffnung und zu dem Fest sind alle Interessierten eingeladen, der Eintritt in die Kunsthalle ist an diesem Abend frei.

10018 New York

10018 lautet der Postcode des Ateliers der sechs Stipendiaten im ISCP (International Studio and Curatorial Program) in New York. Christoph Girardet, Bjørn Melhus, Rainer Splitt, Hannes Kater, Julia Schmid und Thomas Ganzenmüller waren seit 2000 für je ein Jahr unter dieser Anschrift zu erreichen. Sie haben das begehrte New York-Stipendium erhalten, das vom Land Niedersachsen ins Leben gerufen, seit 2005 gemeinsam mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung vergeben wird. Die Ausstellung „10018 New York“ in der Lingener Kunsthalle zeigt nun, was der einjährige Aufenthalt an Spuren hinterlassen hat.

 

„Das New York-Stipendium hat die Ausbildung junger Künstlerinnen und Künstler zum Ziel. Es soll eine herausragende künstlerische Persönlichkeit gefördert werden, für die ein Aufenthalt in New York wesentliche Impulse für die weitere künstlerische Entwicklung haben kann.“ So heißt es in der Ausschreibung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen. Beide gemeinsam richten den bisherigen Stipendiaten jetzt in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Lingen erstmalig eine Ausstellung ein. Kurator ist Heiner Schepers, Leiter der Lingener Kunsthalle.

 

 

Von Christoph Girardet werden 3 Videoarbeiten zu sehen sein, darunter „Scratch“, 2001 in NY entstanden. Seine als Loop angelegten Werke sind meist Sammlungen verlorener Film- und Bildschätze, die er mittels Montage, Schnitt und Sound neu auf ihren Realitätsstatus hinterfragt. Von Bjørn Melhus wird die neue Arbeit „The Castle / The Meadow / The City“ gezeigt, die mit drei Projektoren in einer Videoinstallation präsentiert wird. Bei allen Teilen der Trilogie geht es um Zustände einer scheinbaren Bedrohung und die Schwellenangst, dieser Bedrohung entgegenzutreten. Rainer Splitt wird einen neuen Farbguss vor Ort realisieren und konfrontiert diesen mit neueren großformatigen „Minusbildern“. Diese zwischen Malerei und Skulptur changierenden Werke fokussieren auf Frage nach dem Ort der Bilder und definieren den sie umgebenden Raum für den Betrachter neu. Hannes Kater installiert einen Remix/Revision von 2003/4 in New York City entstandenen Filzstiftzeichnungen. Dabei handelt es sich um „Auftragszeichnungen“, also nach Texten von anderen Menschen angefertigte „Übersetzungen“ in seine Zeichenwelt. Diese Texte werden Teil der Installation sein. Julia Schmid zeigt Malerei und Fotoarbeiten. Vier der gezeigten Bilder aus dem Zyklus „walk around the block“ versammeln malerisch Fundstücke, die sie auf Spaziergängen rund um Wohnblöcke in vier verschiedenen Stadtteilen New Yorks im Jahr 2004 zusammengetragen hat. Thomas Ganzenmüller steuert eine raumfüllende Installation bei. Diese dokumentiert monatelange Recherchen, unter anderem in New York, und seine künstlerischen Überlegungen dazu, die oft auf mysteriösen Statistiken beruhen. Dabei werden absurd erscheinende Zusammenhänge sichtbar gemacht.

10018 lautet der Postcode des Ateliers der sechs Stipendiaten im ISCP (International Studio and Curatorial Program) in New York. Christoph Girardet, Bjørn Melhus, Rainer Splitt, Hannes Kater, Julia Schmid und Thomas Ganzenmüller waren seit 2000 für je ein Jahr unter dieser Anschrift zu erreichen. Sie haben das begehrte New York-Stipendium erhalten, das vom Land Niedersachsen ins Leben gerufen, seit 2005 gemeinsam mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung vergeben wird. Die Ausstellung „10018 New York“ in der Lingener Kunsthalle zeigt nun, was der einjährige Aufenthalt an Spuren hinterlassen hat.

 

„Das New York-Stipendium hat die Ausbildung junger Künstlerinnen und Künstler zum Ziel. Es soll eine herausragende künstlerische Persönlichkeit gefördert werden, für die ein Aufenthalt in New York wesentliche Impulse für die weitere künstlerische Entwicklung haben kann.“ So heißt es in der Ausschreibung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen. Beide gemeinsam richten den bisherigen Stipendiaten jetzt in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Lingen erstmalig eine Ausstellung ein. Kurator ist Heiner Schepers, Leiter der Lingener Kunsthalle.

 

Von Christoph Girardet werden 3 Videoarbeiten zu sehen sein, darunter „Scratch“, 2001 in NY entstanden. Seine als Loop angelegten Werke sind meist Sammlungen verlorener Film- und Bildschätze, die er mittels Montage, Schnitt und Sound neu auf ihren Realitätsstatus hinterfragt. Von Bjørn Melhus wird die neue Arbeit „The Castle / The Meadow / The City“ gezeigt, die mit drei Projektoren in einer Videoinstallation präsentiert wird. Bei allen Teilen der Trilogie geht es um Zustände einer scheinbaren Bedrohung und die Schwellenangst, dieser Bedrohung entgegenzutreten. Rainer Splitt wird einen neuen Farbguss vor Ort realisieren und konfrontiert diesen mit neueren großformatigen „Minusbildern“. Diese zwischen Malerei und Skulptur changierenden Werke fokussieren auf Frage nach dem Ort der Bilder und definieren den sie umgebenden Raum für den Betrachter neu. Hannes Kater installiert einen Remix/Revision von 2003/4 in New York City entstandenen Filzstiftzeichnungen. Dabei handelt es sich um „Auftragszeichnungen“, also nach Texten von anderen Menschen angefertigte „Übersetzungen“ in seine Zeichenwelt. Diese Texte werden Teil der Installation sein. Julia Schmid zeigt Malerei und Fotoarbeiten. Vier der gezeigten Bilder aus dem Zyklus „walk around the block“ versammeln malerisch Fundstücke, die sie auf Spaziergängen rund um Wohnblöcke in vier verschiedenen Stadtteilen New Yorks im Jahr 2004 zusammengetragen hat. Thomas Ganzenmüller steuert eine raumfüllende Installation bei. Diese dokumentiert monatelange Recherchen, unter anderem in New York, und seine künstlerischen Überlegungen dazu, die oft auf mysteriösen Statistiken beruhen. Dabei werden absurd erscheinende Zusammenhänge sichtbar gemacht.

Anastasia Khoroshilova

Menschen des heutigen Russlands und die Landschaft, in der sie leben, stehen im Zentrum des Werkes der 1978 in Moskau geborenen russischen Fotografin Anastasia Khoroshilova. Die in Köln lebende Künstlerin zeigt in der Kunsthalle in Lingen umfangreiche Fotoserien aus den letzten fünf Jahren. Khoroshilova bezieht sich unter anderem auf Sergej Lobovikov, einen der frühen „Russischen Meister der Kunstfotografie“, den der Kunstverein Lingen bereits 1995 mit Leihgaben aus russischen Museen ausstellen konnte. Seine Vintage Prints aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts zeigen ebenfalls Menschen, vor allem die damals gerade aus der Leibeigenschaft befreiten Bauern, und die Landschaft seiner Zeit.

 

Anastasia Khoroshilova hat in Deutschland studiert, wo sie auch ihre professionelle Laufbahn begann. Sie gehört zu einem Phänomen, das die aktuelle Kritik in Russland als „Postdiaspora“ bezeichnet. Damit sind die Künstler gemeint, die sich auf der internationalen Szene positionieren und arbeiten und sich nicht zu den Emigranten zählen, sondern auf ihrer russischen Identität bestehen, mehr noch – sie in ihrem Werk konstruieren. Eine solch ganzheitliche und zugleich komplexe Identität ist neu für die russische Kultur, die die Intellektuellen im vergangenen Jahrhundert unerbittlich vor die Wahl zwischen dem zur Isolation neigenden Mutterland und dem Gang in die Emigration stellte.

 

Anastasia Khoroshilova schreibt in einem Statement zu ihrer Serie „Die Bezhin-Wiese“: „Als erzählerische Grundlage [ … ] habe ich Episoden aus der russischen Kulturge­schichte ausgewählt. Sie alle sind von einem Streben der Autoren nach der Erforschung des Phänomens der russischen bäuerlichen Welt gekennzeichnet. Erstens zählen hierzu die „Aufzeichnungen eines Jägers“ von Ivan Turgenev und, vor allem, seine Erzählung „Die Bezhin-Wiese“, zweitens der von Stalin verbotene und vernichtete Film Sergej Eisens­teins „Die Bezhin-Wiese“ und letztens Vladimir Sorokins Roman „Roman“. All diese Werke handeln auf die eine oder andere Weise vom Leben russischer Bauern, vom Leben auf dem Land. Sie alle sind in einer Übergangsphase der russischen Ge­schichte entstanden, die voll von sozialen Widersprüchen war. Dies ist der Ausgangspunkt meiner Arbeit.“

 

Zu ihrer Serie „Islanders“, zu Deutsch etwa „Inselbewohner“, die der Ausstellung den Titel gegeben hat, sagt sie: „Als ehemalige Bewohnerin eines deutschen Internats kam ich auf die Idee, Menschen außerhalb ihrer Welt, ihrer Heimat zu fotografieren und mich mit den Leuten zu beschäftigen, die ihr Zuhause gegen gemeinschaftliches Wohnen eingetauscht haben. Für alle ist es ein zeitbedingter Zustand, der zu überbrücken oder zu genießen ist: in einigen Institutionen verbringen die Menschen freiwillig ihre Zeit oder verfolgen ein (karrierebedingtes) Ziel, in einigen landet man, weil es keinen Ausweg mehr gibt. Ob man in einem Waisenhaus wohnt und sich vor der Außenwelt schützen möchte oder auf einem Internat für Balletterziehung sich ausbilden darf, bleiben die Spuren dieser Zeit in der Psyche und in der Inneren Welt dieser Menschen für immer bestehen.“

Crosskick

CROSSKICK ist eine zweijährige Ausstellungs- und Vortragsreihe der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine, die unterschiedliche Modelle der Ausbildung, Produktion und Vermittlung von Kunst in Ost- und Westeuropa vorstellt und diskutiert. In der Lingener Kunsthalle werden ab Januar 2007 Arbeiten von Studentinnen und Studenten der Jan Matejko Akademie der Bildenden Künste, Krakau, gezeigt. Neben der Präsentation der einzelnen Ausstellungen und des europaweiten Austausches von KünstlerInnen, vernetzt CROSSKICK Kunstvereine und Kunsthochschulen an der Schnittstelle von Lehre, Ausstellungspraxis und Öffentlichkeit. 13 Kunstvereine zeigen verteilt über zwei Jahre junge KünstlerInnen aus 19 unterschiedlichen europäischen Kunsthochschulen. Das Projekt wird von der Kulturstiftung des Bundes ideell und finanziell unterstützt.

 

Den Auftakt in der Kunsthalle in Lingen bilden zwei Videonächte mit Film- und Videoarbeiten von Studentinnen und Studenten der Jan Matejko Akademie der Bildenden Künste aus Krakau am 5.+6. Januar 2007. Beginn jeweils um 20.00 Uhr

 

Die Eröffnung der Ausstellung CROSSKICK Presentations in der Kunsthalle Lingen ist am 14. Januar 2007 um 11.30 Uhr. Es sprechen: Jochen Kopp, 2. Vorsitzender des Kunstverein Lingen; der Bundestagsabgeordnete Dr. Hermann Kues; Prof. Jan Pamula, Rektor der Jan Matejko Akademie, Krakau, und Heiner Schepers, Leiter der Kunsthalle. Die Ausstellung ist vom 14. Januar – 01. April 2007 zu sehen.

 

Der Kunstverein Lingen hält in seinem Ausstellungsprogramm in der Lingener Kunsthalle alle zwei Jahre einen Platz für die Präsentation einer Kunstakademieklasse frei. Mit dem AdKV-Projekt CROSSKICK kann nun erstmals eine Akademie aus dem europäischen Nachbarland Polen eingeladen werden. Ziel dieser Ausstellungsreihe ist, dem Publikum Einblick zu ermöglichen, wie Kunst gelehrt wird und welche Ergebnisse die Studentinnen und Studenten in einer Ausstellung zeigen können. 2003 war die Klasse Karin Kneffel aus Bremen und 2005 die Klasse Maik und Dirk Löbbert aus Münster zu Gast beim Kunstverein Lingen. 2007 sind nun Studentinnen und Studenten der Jan Matejko Academy of Fine Arts, Krakau, zu Gast in der Lingener Kunsthalle. Diese zeigen  Werke, die in verschiedenen Studios der 3 Fakultäten Malerei, Skulptur und Grafische Kunst entstanden sind. Ca. 14 Studentinnen und Studenten werden ihre Werke präsentieren. Sechs StudentInnen werden voraussichtlich nach Lingen kommen, um beim Aufbau dabei sein und an der Eröffnung teilnehmen zu können. An drei Tagen, 15., 16., 17. Januar 2007, werden diese mit StudentInnen aus Münster und Bremen zusammenkommen. Bei einem Symposium in der Lingener Ausstellung werden sie den deutschen Kommilitonen ihre Arbeiten vorstellen und die Arbeitsbedingungen in Krakau erläutern. Besuche in Bremen und Münster und dort Meetings mit den StudentInnen der Klassen Karin Kneffel und Maik und Dirk Löbbert geben ihnen Einblick in die Arbeitsbedingungen an deutschen Kunstakademien. www.crosskick.de

Lingner Kunstpreis 2006

Annelise Coste, Zürich, geb. 1973 in Marseille, erhält den 17. Lingener Kunstpreis. Sie hat von 1995-1999 an der Ecole des Beaux-Arts, Marseille, und an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich studiert. In einem Bericht der Schweizer Weltwoche heißt es über sie: „Wo auch immer sich Annelise Coste mit ihrem Zeichenstift bemerkbar macht, legt sie Spuren. Sie macht auf sich aufmerksam, relativiert ihre eigenen Aussagen und reflektiert sich selbst als Individuum. Und obwohl sie sicherlich nicht die erste ist, die dies tut, verfolgt sie ihren Weg mit einer Insistenz und einer Akribie, die ihr Werk ganz einzigartig machen.“

 

Der Lingener Kunstpreis wird seit 1983 für Malerei ausgelobt. Die Vergaberichtlinien haben sich seither drei mal geändert. Preisträgerinnen und Preisträger seit 1994 waren: Karin Kneffel, Düsseldorf (1994); Andrea Scrima, Berlin (1996); Antje Majewski, Berlin (1998); Matthias Kanter, Leipzig (2000); Amalia Theodorakopoulos, Frankfurt (2002) und Cornelius Völker, Düsseldorf (2004). Zur Jury gehörten: Bettina von Dzimbowski, Kunstverein Springhornhof, Neuenkirchen, Dr. Uwe Schramm, Kunsthaus Essen, und Heiner Schepers, Kunsthalle Lingen als Fachjuroren und Petra Kunzelmann, Sigrid Hohoff und, als Gast, Marleen Oberthür als Laienjuroren.

 

2006 wird der Lingener Kunstpreis erstmalig vom 2004 gegründeten Freundeskreis des Lingener Kunstpreises finanziert, der auch einen Großteil der Kosten für Ausstellung und Katalog übernimmt. Seit 1994 wird der Lingener Kunstpreis alle zwei Jahre vergeben; er ist in diesem Jahr mit 7.777 € dotiert und nicht teilbar. Die Auszeichnung ist verbunden mit einer Einzelausstellung in der 550 qm großen Lingener Kunsthalle, der Herausgabe eines Kataloges und in der Regel mit dem Ankauf eines Werkes oder einer Werkgruppe durch die Stadt Lingen. Ziel des „Lingener Kunstpreises“ soll sein, junge Künstlerinnen und Künstler in ihrer beruflichen Unabhängigkeit zu unterstützen und eigenständiges künstlerisches Schaffen zu fördern. Wirtschaftliche Unabhängigkeit trägt mit dazu bei, die Distanz zu gewähren, die notwendig ist, gesellschaftliche Prozesse aufmerksam zu verfolgen und künstlerisch umzusetzen.

Ulrich Rückriem

Zu einer ungewöhnlichen Begegnung zweier künstlerischer Positionen kommt es in der nächsten Ausstellung des Kunstverein Lingen. Großformatige Fotografie und schwergewichtige Skulptur begegnen sich in den lichten großzügigen Räumen der Lingener Kunsthalle. Im Zentrum stehen dabei 3 Fotografien aus der Serie „Les Nuits Etranges“ (die unheimlichen Nächte) von Yannick Demmerle, geb. 1969 in Sarreguemines, Frankreich, und drei auf einander bezogene Skulpturen Ulrich Rückriems, geb. 1938 in Düsseldorf. Zwei Medien, zwei Generationen, zwei unterschiedliche künstlerische Strategien – in der konsequenten, auf elementare Grundmuster reduzierten Form begegnen sie sich auf überraschende Weise. Vervollständigt wird die Ausstellung durch rund 30 weitere Fotoarbeiten Demmerles aus verschiedenen Serien und durch eine Anzahl weiterer Skulpturen und Zeichnungen und anderer Arbeiten auf Papier von Ulrich Rückriem. Die Ausstellung wird durch die Sparkasse Emsland und die Niedersächsische Sparkassenstiftung gefördert.

 

Yannick Demmerle findet die Motive für seine fotografischen Arbeiten auf ausgedehnten Reisen, die ihn auch in entlegenste Gegenden der Welt führen. Meere, Landschaften und Wälder bilden die Hauptmotive seiner meist großformatigen C-prints, die dem Betrachter den Eindruck vermitteln, wie durch ein Fenster in diese fremden Welten zu schauen. Da hinein entführt die Ausstellung. Tief im Inneren dieser Wälder, dort, wohin kaum noch Licht dringt, weil die Bäume zu hoch sind und zu dicht stehen, hat er „Les Nuits Etranges“, die unheimlichen Nächte gefunden. Die Farben sind die der Nacht, mit all den Assoziationen, die der schwarze Wald mit sich bringt, der sozusagen die Urangst des Menschen vor dem Unbekannten symbolisiert. Demmerle gibt ihm eine strenge, statische Form, die nahezu vergessen lässt, dass es sich um Fotografie und reale Natur handelt. Seine Serien mit Einblicken in tropische Regenwälder, nicht weniger geheimnisvoll doch voller Leben, bilden einen erfrischenden Kontrast dazu. (Alle Arbeiten courtesy Galerie Arndt & Partner, Zürich/Berlin)

 

Einen gänzlich anderen Weg zu seinem Werk beschreitet Ulrich Rückriem. Doch auch er findet sein Rohmaterial in der Natur und auch er muss tief in sie eindringen. Im Steinbruch, weit unter der sichtbaren Oberfläche werden die oft gewaltigen Steine gebrochen, die für seine Arbeiten benötigt werden. Die dreiteilige Skulptur aus dem Jahr 1984, die den „Nuits Etranges“ entgegengestellt wird, ist aus Granit, dessen Farbe zwischen grau und schwarz changiert. Jede ist für sich selbständig, jedoch existieren Zusammenhänge, die Freiplastik, Bodenskulptur und Wandrelief zu einem Ganzen zusammenfügen. Auch sie sind in der für Rückriem seit den 60iger Jahren bekannten und typischen Art realisiert. Dabei steht am Anfang die konzeptuelle Suche nach der Form, die sich in Zeichnungen, Konstruktions- und Aufbauplänen und in Modellen niederschlägt. Ihr folgt die persönliche Auswahl des Materials im Steinbruch und dann das handwerkliche Spalten, Schneiden und Zusammenfügen und das gelegentliche Schleifen des Steins nach seinen Vorgaben. (Arbeiten aus Privatsammlungen in Köln und Belgien und der Galerie Löhrl, Mönchengladbach)

Peter Howson

Erstmalig in Deutschland zeigt die Lingener Kunsthalle Werke des 1958 in London geborenen Malers Peter Howson. In einer umfangreichen, fast retrospektiv zu bezeichnenden Ausstellung werden rund 50 Werke aus der Zeit zwischen 1982 und 2005 zu sehen sein. Peter Howson hat in Glasgow/Schottland studiert und lebt auch heute noch dort. Sein Werk ist in vielen britischen und internationalen Museen und Galerien gezeigt worden und ist in renommierten privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten. Nur in Deutschland ist es nahezu unbekannt.

 

Peter Howson ist ein Maler der sich um die Kriterien des Zeitgeistes nicht schert. In seiner künstlerischen Konsequenz ist er außergewöhnlich und  beachtenswert. Er ist ein Künstler, der sich nicht scheut, Themen wie Krieg und Gewalt, Arbeit und Arbeitslosigkeit und, aktuell, Religion in zugespitzten, realitätsnahen, oft sehr großformatigen „Gemälden“ und Zeichnungen darzustellen. Er hat seine Finger in viele Wunden der Gesellschaft gelegt und legt sie immer wieder in neue. Er ist einer, bei dem es deshalb nicht verwundert, dass er in seinen Bildern immer wieder auch die Auseinandersetzung mit religiösen Themen sucht. Seine neuesten Arbeiten zeigen das mit brutaler Intensität. Er holt Jesus zurück auf die Erde und malt ihn als den, der das Leid unserer Zeit auf sich nimmt. Mit dazu beigetragen hat sicher Howsons Zeit als Kriegsmaler 1993 in Bosnien als „Appointed Offical British War Artist“ und während des Kosovokrieges als „Appointed War Artist“ der London Times. Jobs, die auch nicht besonders zeitgemäß erscheinen, die sich die britische Gesellschaft aber offensichtlich immer noch leistet.

 

Peter Howson sieht sich selber in der Tradition des deutschen Realismus, der durch seine Spielart des „Sozialistischen Realismus“, wie er in der ehemaligen DDR gepflegt worden ist, in unserem Lande etwas in Verruf geraten ist. Max Beckmann und Otto Dix nennt er explizit. Man könnte die Linie seiner „Vorbilder“ aber auch über Hieronymus Bosch, Francesco Goya bis zu Francis Bacon über einen weiteren und internationalen Zeitraum spannen. Nicht, dass er sich in seiner Malerei an ihnen orientieren würde, vielmehr ist er in ähnlicher Weise gnadenlos dicht an seinen Themen. Und immer ist es der Mensch, der im Zentrum seiner Bilder steht. Portraits ziehen sich durch alle Jahre, darunter eine Serien Radierungen von Männerköpfen, Arbeiter, die mit den Namen der Londoner Tube-Stationen betitelt sind, und immer wieder auch Selbstportraits. In seinen Bildern findet man den noch körperlich schwer Arbeitenden und den der keine Arbeit hat, Kampfsportler, wie Boxer, „Krieger“ in verschiedenen Kämpfen und ihre Opfer. Gnadenlos zeigt er die Schrecken der Kriege in ihrer direkten Auswirkung auf die Menschen. Und das alles in Bildern oft geradezu apokalyptischer Wucht, in denen er seine Wut über die vom Menschen verursachten Katastrophen herausschreit. Es sind vielfach komplexe Erzählungen, die sich dem Betrachter entgegenstellen und ihn bannen. Oft scheinen sie nur schwer zu entschlüsseln zu sein, doch immer gibt der Maler auch konkrete Hinweise, manchmal allerdings versteckt.

 

Das mag vielleicht nicht dem Zeitgeist entsprechen. Und doch könnte das Werk Peter Howsons den Blick wieder für eine Malerei öffnen, die sich unbeirrt durch die Geschichte der internationalen Kunst gezogen hat und immer noch zieht.

Rupprecht Geiger

Am Sonntag, dem 28.08.2005, wird um 11.30 Uhr in der Lingener Kunsthalle die Ausstellung „Inneres Leuchten – Farbe als Malerei“ eröffnet. Zur Begrüßung spricht Jochen Kopp, 2. Vorsitzender des Kunstvereins. Eine Einführung in das Werk der 7 internationalen Künstlerinnen und Künstler gibt Heiner Schepers, Leiter der Kunsthalle, der auch die Ausstellung kuratiert hat.

 

Farbfeldmalerei, monochrome Malerei, abstrakte Malerei, konkrete Malerei … – Kategorien und Begriffe, zutreffend für die Ausstellung, aber nicht vollständig, verwirrend und oft auch nicht eindeutig. Die Lingner Ausstellung konzentriert sich auf das „Innere Leuchten“, eine Eigenschaft, die Malerei, die Farbe auch haben kann, und darauf, dass Farbe einen eigenständigen Wert haben kann, ohne etwas anderes zu sein oder sein zu wollen, als sie selbst. In der Ausstellung in den 7 Räumen der Lingener Kunsthalle sind 7 Künstlerinnen und Künstler aus 3 Generationen vertreten, die eine je eigene Position in der Kunstgeschichte einnehmen: der Italiener Antonio Calderara (1903 – 1987), die Deutschen Rupprecht Geiger (geb. 1907), und Gotthard Graubner (geb. 1930), und die Amerikaner Marcia Hafif (geb. 1929), Beverly Semmes (geb. 1958), David Simpson (geb. 1928) und Jerry Zeniuk (geb. 1945). Sie sind mit repräsentativen, meist neuen Werkgruppen oder Werken vertreten. Insgesamt werden rund 80 Arbeiten gezeigt, die Leihgaben aus Museen, Sammlungen, Galerien und der Künstler sind.

 

Die glutvollen Farben der Landschafts- und Stilllebenbilder Antonio Calderaras verlieren sich im Spätwerk in einer Art Selbstauflösung. In der Form seit den 60igern streng auf Quadrate, rechte Winkel und Streifen reduziert, wie in den hier gezeigten Papierarbeiten, ziehen sie ihre Kraft „aus der Reduzierung des Sichtbaren bis an die Grenze des Natürlichen“, wie es Calderara selbst formuliert hat, und dem buchstäblich inneren Leuchten der fast verglühenden Farben.

 

Rupprecht Geiger ist ein Künstler, dessen Werk schon früh seine Kraft aus einer gewissen Selbstbeschränkung zieht, weniger formal, hier gibt es eine enorme Bandbreite, als in der Wahl der Farben. Leuchtender als seine sind keine. Und wie er sie verwendet ist einmalig und unnachahmlich und letztlich unverwechselbar – bis heute, denn seine Schaffenskraft ist auch mit 98 Jahren ungebrochen.

 

Unverwechselbar sind auch für die Bilder, insbesondere die „glühenden“ Farbraumkörper Gotthard Graubners, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiern konnte, und dessen Werke aus einer Berliner Privatsammlung in chronologischer Übersicht seit den 60iger Jahren in einer kleinen konzentrierten Retrospektive seine Entwicklung aufzeigen und mit 14 Arbeiten gewissermaßen das Zentrum der Ausstellung bilden.

 

Marcia Hafif beginnt 1972 mit ihrem langfristig angelegten Arbeitsprojekt, das sie selbst als das „Inventar“ bezeichnet, und das bis heute nicht abgeschlossen ist. Streng analytisch vorgehend, „mit dem Ziel einer Vergewisserung des Sichtbaren“ untersucht sie Farbe und die Möglichkeit des Farbauftrages. Bei ihr ist die Farbe ganz auf sich bezogen, vollgesogen mit Erinnerung und doch scheinbar „nur“ monochrom.

 

David Simpson ist der Maler des Lichts. Sein Material ist kunsthistorisch wohl das jüngste und hat seine Malerei in den 80iger Jahren von Grund auf verändert. Interferenzpigmente, die er bevorzugt verwendet, brauchen besonders gutes Licht, für das die Lingener Kunsthalle berühmt ist, erscheinen monochrom, verändern sich jedoch durch Lichteinfall und Standpunkt des Betrachters zum Bild. Einmal mehr ist dieser dadurch gefordert, Position zur Kunst zu beziehen.

 

Beverly Semmes ist keine Malerin. Ihr Werk ist skulptural und installativ. Gegenstände des Alltags, ein Kleid und eine Vase zum Beispiel, wie jetzt in Lingen, verbinden sich zur raumfüllenden Arbeit „On the Lake“. Ein „Kleid“, an die Wand gehängt, ergießt sich wie eine Schleppe als türkisblaues Meer in den Raum, und wie ein Fels in der Brandung steht darin eine signalrot leuchtende riesige „Vase“. Das Auge des Betrachters verliert sich in der strahlenden Interferenz der beiden abstrakten, sich vom Gegenstand lösenden Komplementärfarben.

 

Auch Jerry Zeniuk, in den Nachkriegswirren in Deutschland geboren, ist Amerikaner, hat lange in New York gelebt und lehrt heute an der Kunstakademie in München. Sein Werk hat sich aus einer fast monochromen „Farb-Ursuppe“ hin zur leuchtenden reinen Farbe entwickelt. Dieser öffnet Zeniuk den Raum des Bildformates, folgt ihr und der Korrespondenz der Farben untereinander und malt so Bilder, die „das langsame und allmähliche Ordnen des Chaos (sind), wie ein Keim, der wächst, reift und altert.“ Prof. Zeniuk wird zur Eröffnung der Ausstellung in Lingen erwartet.

Kerstin Höhne

Am Sonntag, dem 12. Juni 2005, eröffnete der Kunstverein Lingen um 12.00 Uhr in der Kunsthalle neben der Ausstellung „Heinrich Riebesehl – Fotografische Serien“ auch die Ausstellung  „Über das Andere und das Anderssein … Fragen an Dr. Pop“ der Hallenser Künstlerin Kerstin Höhne.  Es spricht die 1. Vorsitzende Marleen Oberthür.

Über die interaktive Videoinstallation heißt es in einer Mitteilung des Kunstvereins: „Über das Andere und das Anderssein … Fragen an Dr. Pop“ lässt sich rückblickend in der über fünfzigjährigen Popgeschichte feststellen, dass es prägend war für die Ästhetik und die Stile der Popkultur. Unter der Folie des Andersseins verbargen sich Abgrenzung und Distinktion, sowie die Zugehörigkeit bzw. Etablierung bestimmter Szenen und Subkulturen. Das Anderssein in der Popgeschichte war gleichzusetzen mit: quer zum Mainstream, quer zum gesellschaftlichen Wertekonsens. So bedeutete das Anderssein für die Helden in der History der Stile (latent) Kulturkampf um kulturelle Hegemonie und Protest gegen einen vorschnellen gesellschaftlichen Wertekonsens. Aber wie sieht es heute aus, das Anderssein? Wie ist es um das Andere und das Anderssein bestellt? Denn in den Medien, den Foren, in Gesprächen spricht man von einer Entwicklung der Spaßkultur, die sich von der Protestkultur entfernt.

Eins ist klar: heute glaubt niemand mehr wirklich an die Kraft von Pop wie er einst war. Es heißt, wir befinden uns heute im Zeitalter des Samplings und des Retros. Und im Grunde genommen  wird ein Retro vom nächsten gejagt. Modemäßig befinden wir uns momentan in den Achtzigern und kaum sind wir richtig angekommen, werden wir sofort in die  Siebziger gebeamt. Leben nach dem Motto „state of the art“  oder aber um eben anders zu sein als die Anderen.

Was bedeutet es, dass sich heute Pop in der Form des Recyclings zunehmend auf sich selbst bezieht? Vielleicht ist ja Popgeschichte schon längst geschrieben und alles, was gesagt werden kann, wurde schon längst gesagt? Jedoch, wie kommt es dabei immer wieder zu neuen Trends? Wie wird Pop transportiert? Gibt es etwas, was dem Pop als Wesentliches zueigen wäre? Diese Fragen sind die Grundlage der Beschäftigung mit dem Thema „Pop und das Anderssein“. Die Poststrukturalisten Gilles Deleuze und Félix Guattari gaben mit dem Begriff des Rhizoms die Richtung für die Struktur und den Aufbau der Arbeit.

Das Rhizom ist in seiner Struktur so angelegt, dass jeder Knoten mit jedem anderen Knoten verbunden werden kann. Darüber hinaus gibt es in seiner Struktur auch die Möglichkeit widersprüchlicher Schlüsse (Paradoxa). Auch  dient es  als Beschreibungsmöglichkeit von (sozialen) Räumen. Im Ergebnis der Transformation der Gedanken zum Anderssein und Pop ist eine 3D Welt entstanden. Die Entwicklung der Darstellungsform der Welt „Über das Andere und das Anderssein … Fragen an Dr. Pop“ folgt in ihrer Umsetzung den Möglichkeiten eines Computerspiels. Die Arbeit ist eine interaktive dreidimensionale VRML-Welt, in der sich die Benutzer (selbst) der Thematik auf eine individuelle Art und Weise nähern können, bzw. nähern müssen. Innerhalb dieser Welt wurden  ausgewählte Zitate gesetzt und audiovisuell ästhetisch formuliert. Der User des Raums agiert interaktiv und individuell, vergleichbar mit einem virtuellen Spaziergang und kann sich somit den oben genannten Fragen und Antworten des Themas selbst nähern und in seiner eigenen Wahrnehmung eine Art