Peter Howson

Erstmalig in Deutschland zeigt die Lingener Kunsthalle Werke des 1958 in London geborenen Malers Peter Howson. In einer umfangreichen, fast retrospektiv zu bezeichnenden Ausstellung werden rund 50 Werke aus der Zeit zwischen 1982 und 2005 zu sehen sein. Peter Howson hat in Glasgow/Schottland studiert und lebt auch heute noch dort. Sein Werk ist in vielen britischen und internationalen Museen und Galerien gezeigt worden und ist in renommierten privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten. Nur in Deutschland ist es nahezu unbekannt.

 

Peter Howson ist ein Maler der sich um die Kriterien des Zeitgeistes nicht schert. In seiner künstlerischen Konsequenz ist er außergewöhnlich und  beachtenswert. Er ist ein Künstler, der sich nicht scheut, Themen wie Krieg und Gewalt, Arbeit und Arbeitslosigkeit und, aktuell, Religion in zugespitzten, realitätsnahen, oft sehr großformatigen „Gemälden“ und Zeichnungen darzustellen. Er hat seine Finger in viele Wunden der Gesellschaft gelegt und legt sie immer wieder in neue. Er ist einer, bei dem es deshalb nicht verwundert, dass er in seinen Bildern immer wieder auch die Auseinandersetzung mit religiösen Themen sucht. Seine neuesten Arbeiten zeigen das mit brutaler Intensität. Er holt Jesus zurück auf die Erde und malt ihn als den, der das Leid unserer Zeit auf sich nimmt. Mit dazu beigetragen hat sicher Howsons Zeit als Kriegsmaler 1993 in Bosnien als „Appointed Offical British War Artist“ und während des Kosovokrieges als „Appointed War Artist“ der London Times. Jobs, die auch nicht besonders zeitgemäß erscheinen, die sich die britische Gesellschaft aber offensichtlich immer noch leistet.

 

Peter Howson sieht sich selber in der Tradition des deutschen Realismus, der durch seine Spielart des „Sozialistischen Realismus“, wie er in der ehemaligen DDR gepflegt worden ist, in unserem Lande etwas in Verruf geraten ist. Max Beckmann und Otto Dix nennt er explizit. Man könnte die Linie seiner „Vorbilder“ aber auch über Hieronymus Bosch, Francesco Goya bis zu Francis Bacon über einen weiteren und internationalen Zeitraum spannen. Nicht, dass er sich in seiner Malerei an ihnen orientieren würde, vielmehr ist er in ähnlicher Weise gnadenlos dicht an seinen Themen. Und immer ist es der Mensch, der im Zentrum seiner Bilder steht. Portraits ziehen sich durch alle Jahre, darunter eine Serien Radierungen von Männerköpfen, Arbeiter, die mit den Namen der Londoner Tube-Stationen betitelt sind, und immer wieder auch Selbstportraits. In seinen Bildern findet man den noch körperlich schwer Arbeitenden und den der keine Arbeit hat, Kampfsportler, wie Boxer, „Krieger“ in verschiedenen Kämpfen und ihre Opfer. Gnadenlos zeigt er die Schrecken der Kriege in ihrer direkten Auswirkung auf die Menschen. Und das alles in Bildern oft geradezu apokalyptischer Wucht, in denen er seine Wut über die vom Menschen verursachten Katastrophen herausschreit. Es sind vielfach komplexe Erzählungen, die sich dem Betrachter entgegenstellen und ihn bannen. Oft scheinen sie nur schwer zu entschlüsseln zu sein, doch immer gibt der Maler auch konkrete Hinweise, manchmal allerdings versteckt.

 

Das mag vielleicht nicht dem Zeitgeist entsprechen. Und doch könnte das Werk Peter Howsons den Blick wieder für eine Malerei öffnen, die sich unbeirrt durch die Geschichte der internationalen Kunst gezogen hat und immer noch zieht.